JazzatelierUlrichsberg

Ulrichsberger Kaleidophon 2021

Fr 30. April bis So 2. Mai 2021 im Jazzatelier Ulrichsberg

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Kaleidophonplakat 2021
Fr 30. April ab 19.00 Uhr:
Coyote: Doneda & Muslera
Paraskevopoulos / Winter / Pröll
Sa 1. Mai ab 19.00 Uhr:
Dis / con / sent
Gnigler
So 2. Mai ab 19.00 Uhr:
Biliana Voutchkova
Kleeb / Dahinden / Babel
Andreas Tanzer, Ausstellung
PresseSpiegel
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Nach der Komplettabsage der 2020er-Ausgabe findet das Kaleidophon 2021 zumindest in digitaler Form statt. Ohne Publikum im Saal, dafür aber mit Ausstrahlung in Echtzeit via Internet-Livestream an den drei Festivaltagen jeweils ab 19.00 Uhr. Das Stream-Angebot ist gratis verfügbar, Spenden sind aber möglich und erwünscht. Gesendet wird ausschließlich live, ein On-demand-Angebot ist nicht vorgesehen. Dennoch wird es die Möglichkeit zum Nachhören geben - nämlich im Radio:  ORF/Ö1 wird am 21. und 28. Mai 2021 in der Sendereihe Zeit-Ton Konzertausschnitte senden und im Deutschlandfunk gibt es am 17. Juli 2021 ein Kaleidophon-Feature, ebenfalls mit Ausschnitten aus allen Konzerten. Sie müssen also diesmal nicht nach Ulrichsberg reisen: Das Kaleidophon 2021 wird direkt ins Wohnzimmer geliefert!

Sechs Konzerte mit aktueller Musik aus den Bereichen Jazz, Neue Musik und Improvisation stehen auf dem Programm der 35. Ausgabe des Ulrichs­berger Kaleidophons. 19 Musiker und Musikerinnen werden die Jazz­atelier­bühne bespielen. Ensembles mit lang­jähriger Geschichte wechseln sich ab mit neuen Projekten. Die bunte Mischung kreativer Ansätze ist es einmal mehr, die das Kaleidophon prägen.

Neben dem konzertanten Geschehen gibt es in den Galerieräumen eine Ausstellung mit Malerei und Grafik von Andreas Tanzer. Ein gefilmter Ausstellungs-Rundgang nebst Künstlergespräch wird in einer Umbaupause ebenfalls im Livestream zu sehen sein.

Danke: Mara Kolibri (Moderation), Florian Gruber, Markus Lubej, Fredi Reiter, Thomas Mayr, Dieter Kovacic, Arnold Haberl (Bild, Ton & Stream), Alice Ertlbauer, Susanna Niedermayr, Nina Polaschegg, Elke Tschaikner (ORF), Frank Kämpfer, Dietrich Petzold (DLF).


Konzertprogramm am

Coyote
COYOTE
 
Natacha Muslera, Stimme
Michel Doneda, Sopransaxophon
Ein langjährig bestehendes Duo aus Südfrankreich mit Improvisationen die sich auf Joseph Beuys' Coyoten-Aktion, 1974 in einer New Yorker Galerie, beziehen.

„Coyote“ bezieht sich zunächst auf eine Aktion von Joseph Beuys, die im Mai 1974 in einer New Yorker Galerie präsentiert wurde, wo der Künstler eine Woche lang mit einem Coyoten zusammenleben sollte. Coyote steht hier für die individuelle Freiheit in der akustischen Wahrnehmung verschiedener räumlicher Situationen - hörbare und unhörbare, sichtbare und unsichtbare Räume, die während dieses improvisierten Klangrituals offenbart, geöffnet, geteilt werden. Und nicht zuletzt verweist die Performance auf die spezielle, bedeutungsschwer aufgeladene Figur des Kojoten: Eine Art „göttlicher Schurke“, dem die nordamerikanischen Ureinwohner Eigenschaften wie frei, anarchisch und subversiv zugeschrieben haben.

Michel Doneda und Natacha Muslera kommen aus Südfrankreich. Das Duo „Coyote“ betreiben Doneda und Muslera seit dem Jahr 2002. Michel Doneda ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Repräsentant der europäischen Improvisationsszene in verschiedenen Ensembles und Projekten mit Musikern wie Ninh Le Quan, John Russel oder Roger Turner. Natacha Muslera versteht sich als eine vorwiegend experimentell agierende Stimmakrobatin, Sängerin und Soundpoetin. Sie arbeitet gerne solistisch, aber auch in verschiedenen Kooperationen mit MusikerInnen wie Erik M und Catherine Jauniaux.

Paraskevopoulos, Pröll, Winter.
PARASKEVOPOULOS / WINTER / PRÖLL
 
Villy Paraskevopoulos, Klavier
Uli Winter, Cello
Fredi Pröll, Schlagzeug
Der griechische Pianist Villy Paraskevopoulos im gleichermassen funkensprühenden wie klangsensibel agierenden Trio mit den beiden Ulrichsbergern Uli Winter und Fredi Pröll.

OÖ-Nachrichten-Kritiker Christoph Haunschmied schreibt über das Trio: „Mit lockerer Hand werden Klangpixel hingeworfen, auf Verdichtung folgt Entflechtung, auf Steigerung Verschwinden. Manchmal ist auch Schweigen das Gebot des Moments. Jeder Musiker zieht sich einmal zurück. Und wenn das Cello pausiert, exerzieren Klavier und Schlagzeug ein famoses Wechselspiel von Rhythmus und Melodie. Ganz fantastisch!“

Andreas Fellinger schreibt im freiStil über die erste CD des Trios: „Das extrem flexible, seit einem gefühlten Jahrhundert untrennbar zusammengeschweißte Cello/Schlagzeug-Duo Uli Winter & Fredi Pröll aus dem Dunstkreis des Ulrichsberger Kaleidophons hatte bislang sowohl als Duo als auch im Trio Now! mit Tanja Feichtmair als auch in Kooperationen mit Elisabeth Harnik und Josef Novotny zu brillieren gewusst. Jetzt hat man sich mit dem alten Freund und Kollegen Villy usw. ins Einvernehmen gesetzt und ein paar famose Konzerte absolviert. Auf eine spielerische Weise, die verdächtig nach Logik riecht, geht das Trio risikofreudig aufs Ganze, ist aber ebenso in der Lage, die Zeit und ihre Wahrnehmung zu dehnen, sich abwechselnd zurückzunehmen, um den jeweils beiden anderen den Vortritt zu lassen, bevor man wieder ins Geschehen eingreift, ihm eine zusätzliche Richtung vorschlägt, etwas Neues in Schwung bringt, es zugunsten einer anderen Idee anhält. Anders gesagt: Es ist ein Hochgenuss, diesem Trio in seiner substantiellen Kommunikation und improvisierten Interaktion, seiner bewegten wie bewegenden Musik zu lauschen.“

CD: "Live at artacts ´19, St. Johann", Creative Sources 2019

Pausenfilm: Ausstellungsrundgang mit Gerhard Wöß und Andreas Tanzer.


Konzertprogramm am

dis/con/sent
DIS / CON / SENT
 
Dietrich Petzold, Violine, Viola
Ernesto Rodrigues, Viola
Guilherme Rodrigues, Cello
Matthias Bauer, Kontrabass
Musiker aus Berlin und Lissabon arbeiten hier zusammen, um die klanglichen und strukturellen Möglichkeiten eines Streichquartettes mit improvisatorischen Mitteln zu vertiefen.

Dietrich Petzold, geboren 1954 in Eisenach, lebt in Berlin. Nach klassischer Violinausbildung ist er seit 1975 freiberuflich als Geiger solistisch und in verschiedenen Ensembles tätig. Zusammenarbeit u.a. mit Michael Griener und Uschi Brüning. Arbeitet auch als Komponist und Regisseur für Hörspiel, Theater, Film und Fernsehen.

Die beiden Portugiesen Ernesto und Guilherme Rodrigues haben schon einmal in Ulrichsberg gespielt. Beim Kaleidophon 2003 nämlich, in einem Quartett mit Manuel Mota und Jose Oliveira. Ernesto Rodrigues (*1959) spielt seit 40 Jahren Violine in unterschiedlichen Kontexten wie Neue Musik, Freejazz und freie Improvisation. Seit 1999 betreibt er außerdem das „Creative Sources“-Label. Guilherme Rodrigues (*1988) lernte Trompete und Cello, war zunächst Orchestermusiker in Portugal und hat sich seit Ende der 1990er-Jahre vollkommen der freien Improvisation zugewandt. Er lebt derzeit in Berlin, wo er mit MusikerInnen wie Biliana Voutchkova, Yorgos Dimitriadis und Adam Pultz Melbye zusammenarbeitet.

Matthias Bauer, Bassist, Improvisator und Komponist, lebt in Berlin. Als Spezialist in Sachen zeitgenössischer Musik führte er wichtige Solo-Bass-Kompositionen auf und arbeitet in verschiedenen Ensembles für Neue Musik. Als Improvisator Zusammenarbeit u.a. mit Floros Floridis, Conny Bauer, Georg Gräwe, Willi Kellers u. Rudi Fischerlehner.

CD: "Dis / con / sent", Creative Sources 2019

Gnigler.
GNIGLER
Jakob Gnigler, Tenorsax, Komposition
Philipp Harnisch, Altosax
Alex Kranabetter, Trompete
Simon Frick, Geige
Judith Ferstl, Kontrabass
Niki Dolp, Schlagzeug
Jakob Gniglers Sextett mischt Bop-Phrasierung mit Neue Musik-Clustern, growlendes Saxophon mit Kammermusik-Erkundungen, spannende Bläsersätze mit Geräuschcollagen…

„Ist das der alte, halb vergessene Spirit der Loft-Szene? Kehren etwa die wildbunten Achtzigerjahre zurück? Nein, besser noch: Jakob Gnigler erforscht mit seinem Sextett die Welt der musikalischen Kontraste und Überraschungen, mischt Bop-Phrasierung mit Neue-Musik-Clustern, growlendes Saxofon mit Kammermusik-Erkundungen, spannende Bläsersätze mit Geräuschcollagen. Ständig wechseln Stile und Rhythmen, die Ideen jagen einander, und zuweilen teilt sich die Band sogar in eine tonale und eine atonale Fraktion. Das alles ist mit viel Temperament, Expressivität und Risiko gespielt – offensiv, frei, löwenmutig. Trotz der ebenso kunstvollen Eklektik der musikalischen Sprache: Das Sextett Gnigler hat eine Menge mit der wirklich „heißen“ Tradition des Jazz zu tun. Ich sage nur: Parker, Breuker, Gnigler!“ (Hans-Jürgen Schaal – Jazzthetik)

Das 2013 vom jungen österreichischen Saxophonisten Jakob Gnigler gegründete Sextett hat sich eine eigene musikalische Welt geschaffen, die voll von nicht Erwartbarem und Unvorhersehbarem steckt. Individuum versus Kollektiv, Komposition versus Improvisation, Hörgewohnheit versus künstlerische Intention – allerorten werden Gegensätze zelebriert, Denkschablonen hinterfragt, Hierarchien umgedreht. Was bei diesen musikalischen Bodenerosionen, Verwerfungen, Plattenverschiebungen entsteht, ist nicht experimentelle Kammermusik, nicht (Free)Jazz, nicht Neue Musik. Sondern alles zusammen. Schlussendlich weiß also niemand, was kommen wird. Gut so.

CD: „Straight On, Downstairs, 2nd Door Left“, col legno 2018

Dank: Dieses Konzert wird von der „Austro Mechana SKE“ unterstützt.

Pausenfilm: Mara Kolibri im Gespräch mit Villy, Uli und Fredi.


Konzertprogramm am

Biliana Voutchkova by Photomusix C. Marx
BILIANA VOUTCHKOVA:
MODUS OF RAW

 
Biliana Voutchkova, Violine, Stimme
„A clutter of sound and imagery taking place in a micro-environment of a solo combining the sound of the violin and the voice. Creating depths and abstractions, resonance and echo, expanding the borders of the known.“ (Biliana Voutchkova)

Die bulgarische Geigerin Biliana Voutchkova ist Solo- und Kammermusikerin. Sie lebt in Berlin, arbeitet als Solistin und zusammen mit dem Ensemble United Berlin, dem Solistenensemble Kaleidoskop, dem Splitter Orchestra, Zeitkratzer, Ensemble Modern und im Duo mit dem Klarinettisten Michael Thieke. Sie interpretiert, komponiert und improvisiert - vor allem im Bereich der Neuen Musik und in experimentellen Klang- und Bewegungs-Projekten. Neben ausgedehnten Solotourneen, die sie in den letzten Jahren in Kolumbien, Chile, USA, Australien, Japan, Korea und Taiwan absolvierte, arbeitet sie derzeit an Ensemblestücken wie „Amati Lenta“ mit Olivia Block und „Golden Delusions“ mit Akemi Nagao, Junko Wada und Hans Peter Kuhn. Biliana Voutchkova ist die Gründerin und Kuratorin des DARA String Festivals in Berlin.

Biliana Voutchkovas Solo-CD „Modus of Raw“, entstanden im Jahr 2015, erschienen 2016 auf Evil Rabbit Records, dokumentiert sozusagen „erste gesicherte Ergebnisse“ eines langjährigen Prozesses, in dem sie an ihrer höchstpersönlichen Vorstellung interessanter Geige-Stimme-Kombinationen gearbeitet hat. Ein erstes eigenes künstlerisches Résumé und Statement, eine Geburt sozusagen - und insofern zugleich ein Anfang, ein Ausgangspunkt von dem weg sie inzwischen weiterarbeitet, verfeinert, nach weiteren Möglichkeiten sucht.

CD: "Modus of Raw", Evil Rabbit Records 2016

Kleeb, Babel, Dahinden
HILDEGARD KLEEB / ROLAND DAHINDEN / ALEXANDRE BABEL
Hildegard Kleeb, Klavier
Roland Dahinden, Posaune
Alexandre Babel, Perkussion, Vibraphon
Hildegard Kleeb, bekannt für Einspielungen wichtiger Werke von Feldman, Cage und Braxton, hier in einem Improvisationstrio mit Roland Dahinden und Alexandre Babel, beide ebenfalls bekannte Bewohner des Grenzgebietes Komposition/Improvisation.

„Kurze, abgerissene, geradezu hingeworfene Gesten und Töne, wild, überraschend, agil, ausdifferenziert und genau, kein Gran zu viel. So präsentieren sich die ‚Lines‘ dieses Trios. Die Töne sind so genau hingesetzt, dass man fast vermuten könnte, es handle sich um komponierte Musik. Aber gerade das stimmt nicht, die Spontaneität der Musiker ist in jedem Moment zu spüren.“ (Thomas Meyer, Jazz’N’More)

Kleeb-Dahinden-Babel verweben ihre Linien zu einem fluktuierend-pulsierenden Sound-Cocoon. Sie spannen ein Netz aus filigranen Pianoscales, flirrenden Cymbals, groovenden Trombone-Multiphonics, aufblitzenden Pianostaccati, rasendschnellen Posaunenphrasen, polyrhythmischen Trommeln, auftürmenden Klavierclustern, treibender Perkussion und verwischten Posaunenmelodien. Eigenheiten von Instrument und persönlicher Klangsprache formen den Hintergrund zu einer imaginären Partitur, schwingen in einer poetischen Vision von Raum und Zeit.

Roland Dahinden und Hildegard Kleeb (beide: Zug/Schweiz) spielen seit 30 Jahren zusammen und treffen sich mit dem in Berlin lebenden Genfer Perkussionisten Alexandre Babel. Alle drei gehören zu den profiliertesten Stimmen auf ihren Instrumenten. Das Trio ist ihr neues Projekt.

CD: "Lines", Hat Hut Records 2019

Dank: Dieses Konzert wird von der Schweizer Kulturstiftung „Pro Helvetia“ unterstützt.


JAZZATELIER ULRICHSBERG
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