JazzatelierUlrichsberg

Ulrichsberger Kaleidophon 2015

Fr 1. Mai bis So 3. Mai 2015 im Jazzatelier Ulrichsberg

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Plakat

Fr 1. Mai ab 19.00 Uhr:
Plasmic
Leimgruber/Demierre/Phillips
The Peeled Eye

Sa 2. Mai ab 17.00 Uhr:
Butcher & Binder
Foils Quartet
Barre Phillips Solo
freiStilWunschkonzert: The Dorf
 
So 3. Mai ab 15.00 Uhr:
Gahl | Bertoncini & Lehn
Hübsch Martel Zoubek
Ametsa: Achiary & Keravec
Feichtmair/Gratkowski/Herbert/Lillinger
 
Filme | Ausstellung

PresseSpiegel
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Elf Konzerte mit aktueller Musik aus den Bereichen Jazz, Neue Musik und Improvisation stehen auf dem Programm der 30. Ausgabe des Ulrichsberger Kaleidophons. Der Großteil des Konzertprogrammes findet im vereinseigenen Haus des Jazzateliers statt. Zwei Konzerte sind ausgelagert in die Pfarrkirche. Etwa sechzig Musiker und Musikerinnen aus Ländern wie Frankreich, Schweiz, USA, Australien, England, Italien, Kanada, Deutschland und Österreich werden die Jazzatelierbühne bespielen. Ensembles mit langjähriger Geschichte wechseln sich ab mit neuen Projekten. Das verwendete Instrumentarium reicht von Stimme, Dudelsack und Viola da Gamba über Saxophon, Klavier und E-Gitarre bis zu Synthesizer und Computer. Akustisches steht neben Elektronik, Geschriebenes neben Improvisiertem. Die bunte Mischung kreativer Ansätze ist es einmal mehr, die das Kaleidophon prägt.

Neben dem konzertanten Geschehen gibt es im Rahmenprogramm Filme von Johann Balda und Jorgos Katsimitsoulias im Ulrichsbergerhof und eine Ausstellung mit kinetischen Objekten von Hans Polterauer in den Jazzatelier-Galerieräumen.

Anreise&Zimmer
EINTRITT: Für Jazzatelier-Nichtmitglieder: 3-Tages-Pass: € 73,00 (erm. 67); Tageskarten: FR € 27,00 (erm. 24); SA/SO € 30,00 (erm. 27); Für Jazzatelier-Mitglieder: 3-Tages-Pass: € 67,00 (erm. 59); Tageskarten: FR € 24,00 (erm. 20); SA/SO € 27,00 (erm. 23,00). Ermäßigungen für Menschen unter 25, Studenten, Arbeitssuchende, Behinderte und deren Begleitung sowie Raiffeisen-, Blas­musik­jugend-, 4You-Card- und Ö1-Clubmitglieder. Eintritt frei für Kulturpassinhaber und Flüchtlinge.

Konzertprogramm am

Zur Eröffnung: Die “Wien-Graz-Ulrichsberg Achse” mit einem Quartett, das seit Jahren konsequent an einer eigenen Klangsprache feilt.

Als festes Trio besteht Plasmic seit 2003 und entstand bei den Improvised Music Nights in Wien. In den darauffolgenden Jahren wurde dieses Trio immer wieder durch bedeutende Vertreterinnen und Vertreter der europäischen Improvisationsszene zum Quartett und auch zum Quintett erweitert. Anlässlich eines Konzertes im Rahmen von Linz09 – Kulturhauptstadt Europas wurde Plasmic mit Agnes Heginger zum Quartett.

“Das Plasmic-Quartett fungiert als gemischtes Doppel, bei dem es Schlag um Schlag, Ton um Ton im frei improvisierten Fair-Play-Modus so richtig schweißtreibend zur Sache geht. Neben aufgekratzt-schmerzverzerrter Vokal-Akrobatik von Agnes Heginger gibt es auch Zeit und Raum für mikrotonale Instrumental-Sektionen am Cello von Uli Winter oder am Piano von Elisabeth Harnik. Fredi Pröll rhythmisiert das ganze therapeutisch, macht quasi Akustikpressur.” (Franz Woel, Skug-Magazin)

Agnes Heginger erhielt ihre klassische Gesangsausbildung am Konservatorium der Stadt Wien, genoss die Jazzgesangsausbildung an der Kunstuniversität Graz und wurde alsbald selbst Gesangsdozentin der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz. Sie bewegt sich mit Leichtigkeit und Virtuosität in den unterschiedlichsten Genres. — Elisabeth Harnik, *1970 in Graz, lebt in Gams (Steiermark). Studierte klassisches Klavier, später Komposition bei Beat Furrer. Zahlreiche Werkaufführungen und Kompositionsaufträge zeigen ihre kompositorische Aktivität. Als Improvisationsmusikerin ist sie solo und in Ensembles mit exponierten VertreterInnen der improvisierten Musik weltweit zu hören. — Fredi Pröll, *1969, lebt in Ulrichsberg. Mitwirkung in verschiedenen traditionellen Jazzformationen. Ab 1989 Konzentration auf improvisierte Musik. Sein musikalisches Spektrum basiert auf jahrelanger Erforschung und Auslotung von perkussiven Ausdrucksmöglichkeiten sowie der Zusammenarbeit mit nationalen wie internationalen Musikerinnen und Musikern der improvisierenden Szene. Seit 2013 auch Solotätigkeit. — Uli Winter, *1967 in Ulrichsberg, war von 1983 bis 1995 Saxophonist in verschiedenen Jazzbands bzw. Improvisationsensembles, ist seit 1994 Cellist, verwendet das Geräusch, Klangflächen und Cluster als gleichrangige Mittel um Musik zu schaffen.

CD: Plasmic - Live at Chilly Jazz Festival 2013, Leo-Records

Drei Musiker mit ausgereiften individuellen Musiziersprachen und jahrzehntelanger Erfahrung mit freier Improvisation.

Spontan, direkt, gemeinsam. Nichts ist vorbereitet, nichts abgesprochen, nichts vorher ausgedacht. Die Herausforderung bleibt die gleiche wie am ersten Tag des Zusammentreffens: der leere Raum, den es mit Klängen zu gestalten gilt. Drei Musiker, die nicht mehr und nicht weniger mitbringen als ihre jahrzehntelange Erfahrung mit freier Improvisation und ihre individuellen Musiksprachen.

Seit fünfzehn Jahren spielen sie zusammen: der aus San Francisco stammende, eng mit der europäischen Szene verbundene Kontrabassist Barre Phillips sowie die beiden Schweizer Urs Leimgruber und Jacques Demierre. Jeder der drei hat seinem Instrument eine gänzlich eigene Dimension erschlossen, die ihn unverwechselbar macht. Jedes Mal, wenn das Trio, das mittlerweile rund zweihundert Konzerte gegeben hat, zusammenkommt, wird die Musik zugleich neu erfunden und weitergeschrieben. Dann verdichten und verflechten sich diese Sprachen, oder sie verflüchtigen sich bis an den Rand zur Stille.

Urs Leimgruber (Luzern) hat eine langjährige Erfahrung im Bereich zeitgenössischer Improvisation. Konzerte und Aufnahmen mit Joëlle Léandre, Marilyn Crispell, Fritz Hauser, Evan Parker,… — Jacques Demierre (Genf) arbeitet im Bereich komponierter und improvisierter Musik; schreibt Musik für Theater, Tanz und für zeitgenössische Kammerensembles. Als Improvisator Konzerte und Aufnahmen mit Irène Schweizer, Joëlle Léandre, Axel Dörner, Barry Guy… — Barre Phillips, *1934 in San Francisco, Komponist und Improvisator. Seine langjährige, musikalische Erfahrung umfasst diverse Musikstile von Coleman Hawkins bis Derek Bailey. In den 1970er Jahren spielte er zusammen mit John Surman und Stu Martin in der legendären Gruppe “The Trio”. Intensive Solotätigkeit. Seine Soloaufnahme “Journal Violine” (1968) gilt als erstes Bass-Soloalbum der Jazzgeschichte.

CDs: 1>32:1, jazzwerkstatt, 2015

Die Schweizer Kulturstiftungen „Suisa“ und „ProHelvetia“ unterstützen dieses Konzert!

“I’ve been trying to find a way for the terror and the beauty to live together in one song. I know it’s possible.” (Sonny Sharrock)

Als Kollegen in verschiedenen ImprovBands kennen sich Hauf, Siewert, Weber und Heather seit langem. Der Versuch eines Quartettes mit “Rockband-Approach” aber, der ist neu. Seit dem Winter 2014 arbeiten die vier an diesem “noisecore/doomjazz-Quartett”. Die erste CD erscheint in diesem Frühjahr.

Boris Hauf, geboren in London, spielt, komponiert und kuratiert weltweit. Seit 1999 hat er eine Liebesbeziehung mit Chicago und der dortigen Musikergemeinschaft. Unterrichtet dzt. an der Kunstuni Berlin. Projekte: efzeg, Owl & Mack, Next Delusion, Proxemics… — Martin Siewert, geboren in Saarbrücken, lebt in Wien. Arbeitet als Improvisator und Komponist in akustischen und elektronischen Kontexten. Mitglied in Bands wie Heaven and, Trapist, The Year of, Efzeg und - neuerdings - Radian. Zusammenarbeit auch mit Taku Sugimoto, Dieb13, Franz Hautzinger, Christof Kurzmann, Bernhard Lang,… — Christian Weber, Zürich, Kontrabass-Studium (ua.in Linz), operative und kuratorische Mitarbeit an der WIM Zürich. Projekte und Bands mit Ellery Eskelin, Michael Griener, Thomas Korber, Oliver Lake, Dieter Ulrich, Julian Satorius, Jason Kahn, Michael Thieke, Achim Kaufmann, Lina Allemano,… — Steve Heather, geboren in Melbourne/Australien, Studium in Amsterdam, lebt dzt. in Berlin. Sein außerordentlich breites musikalisches Betätigungsfeld reicht von Jazzbands wie "Booklet" mit Tobias Delius und Joe Williamson, über Noise und Drone Rock bis zu “prog fitness disco” (was immer das auch sein mag!)…

CD: diiiiisko, trost, 2015


Konzertprogramm am

Seit 30 Jahren tüfteln Butcher und Binder an ihrer gemeinsamen Musik - mit nach wie vor erstaunlich frischen Ergebnissen!

Claudia Ulla Binder: “John und ich haben uns zum ersten Mal 1984 getroffen. John war damals Mitglied des Trios Russell/Durrant/Butcher und ich gab meine ersten Konzerte mit der Geigerin Ma-Lou Bangerter. Wir hatten eine gemeinsame Tour in England im November 1984 und ich war zum Glück noch jung und konnte problemlos am Boden sitzen, um die Saiten der meist sehr schlechten Klaviere zu erreichen.

2005 haben wir uns wieder zusammen getan. Daniel Schneider vom Zürcher Jazzclub moods hat uns witzigerweise gebucht, weil ihm unsere Duo-Cd so gut gefallen hatte! Diese Cd hat damals gar nicht existiert. 2007 spielten wir am Ear We Are Festival in Biel. Die längst überfällige Duo-Cd wurde dann im Radiostudio Zürich aufgenommen und ist im März 2010 auf dem US-Label nuscope records erschienen.”

Claudia Ulla Binder, *1959, studierte Musikwissenschaft und Psychologie, lebt in Zürich. Workshops, Studien und Projekte bei George Lewis, Dieter Schnebel und Walter Norris. Als Improvisatorin in Gruppen u.a. mit Stevie Wishart, Doro Schürch, Roger Turner, Alfred Zimmerlin und Paul Hubweber. — John Butcher, studierte Physik, lebt in London. Neben intensiver Solotätigkeit als Improvisator in kooperativen Projekten mit mehr oder minder allen wesentlichen Protagonisten dieser Szene weltweit tätig. In Ulrichsberg zuletzt im Trio “Apophonics” mit Gino Robair und John Edwards. 2009 realisierte er im Rahmen von Peter Ablingers Landschaftsoper gemeinsam mit Axel Dörner, Xavier Charles, Laurent Sassi und Jean Pallandre das Projekt “The Contest of more pleasures”. (Diese Aufnahme erscheint demnächst auf CD bei Confront Recs.).

CD: Under the roof, nuscope 2010

Eigentlich sind das zwei Duos: Schubert-Müller und Edwards-Sanders. Im Quartett liefern sie ein vitales Beispiel aktueller Improvisationskunst.

Die Berliner Musiker Frank Paul Schubert und Matthias Müller arbeiten seit 2008 als Duo, nachdem sie sich zuvor in verschiedenen Konstellationen innerhalb der Berliner Szene musikalisch begegnet waren. Bei “Foils” beschränken sie sich auf die ungewöhnliche Besetzung von Sopransaxophon und Posaune. Im Duo vermeiden sie hierbei oberflächliche Kontraste, die durch die Instrumentation nahe liegen, und setzen stattdessen auf eine einheitliche Verschmelzung der beiden Instrumente. Bei aller Agilität und Turbulenz in den einzelnen Stimmen entsteht ein homogenes Klangband, das eher einen texturellen als einen narrativen Charakter hat. Im Jahr 2011 erschien die Debüt-CD “Foils” auf dem englischen Label FMR.

Eine mindestens ebenso ungewöhnliche Besetzung ist das Duo des Schlagzeugers Mark Sanders mit dem Bassisten John Edwards, das auf der Emanem-CD “Nisus Duets” dokumentiert ist. Edwards und Sanders gelten seit den 90er Jahren als zwei der kreativsten und profiliertesten Protagonisten der zeitgenössischen englischen Improvisationsszene. Ihr brilliantes Teamwork ist auch in Trios, zum Beispiel mit Evan Parker oder mit Veryan Weston, zu hören.

2011 entstand die Idee, die beiden Duos zum Foils-Quartet zusammenzuführen. Das Resultat ist ein höchst originelles Beispiel gegenwärtiger europäischer Improvisationskunst.

CD: The Jersey Lily, creative source, 2014

Barre Phillips

Sa 2.5., 21.00 Uhr (ausgelagert, Pfarrkirche Ulrichsberg):
 
BARRE PHILLIPS SOLO
 
Barre Phillips,
Kontrabass

Das Kaleidophon ist 30. Aber: Barre Phillips ist 80, spielt Bass seit 60 Jahren und veröffentlicht Kontrabasssoloplatten seit mehr als als 40 Jahren!

Barre Phillips, *1934 in San Francisco, Komponist und Improvisator. Seine langjährige, musikalische Erfahrung umfasst diverse Musikstile von Coleman Hawkins bis Derek Bailey. In den 1970er Jahren spielte er zusammen mit John Surman und Stu Martin in der legendären Gruppe “The Trio”. Intensive Solotätigkeit. Seine Soloaufnahme “Journal Violine” (1968) gilt als erstes Bass-Soloalbum der Jazzgeschichte.

CD: Diskografie

The Dorf

Sa 2.5., 23.00 Uhr:
 
freiStil-Wunschkonzert:
THE DORF

 
Jan Klare & 25-Piece Sound Collective.

Marie Daniels, Anke Jochmaring, Gesang; Ludger Schmidt, Cello; Martin Verborg, Violine; Markus Türk, Stephan Gerhartz, John D. Renken, Trompete; Gilda Razani, Felix Fritsche, Florian Walter, Christoph Berndt, Julius Gabriel, Veit Lange, Saxophone; Denis Cuni, Adrian Prost, Max Wehner, Posaune; Jim Campbell, Kai Niggemann, Achim Kämper, Elektronik; Oliver Siegel, Keyboard; Johannes Nebel, E-Bass; Serge Corteyn, Andreas Wahl, Christian Hammer, E-Gitarre; Simon Camatta, drums; Denis Cosmar, Sound; Jan Klare, Air Movement.

Aus dem Ruhrgebiet und Umgebung kommt das offene Großensemble unter der Leitung des Saxofonisten Jan Klare angerollt. Einmal monatlich erklimmen 25 bis 30 Mitglieder von The Dorf die Bühne im Dortmunder Domicil, um an diesem Ort Musik zu generieren, die viel zu groß ist, um in einer handelsüblichen Schublade Platz zu finden. Einflüsse aus Jazz, Noise, Krautrock, Punk und Minimal Music vermengt das Großensemble zu einer hinreißenden Melange. Das Prozesshafte, erklärt Klare im Gespräch, verfüge im regelmäßigen Heimspiel über die größte Entwicklungsmöglichkeit. Andernorts kämen immer Faktoren von außen ins Spiel, hier im Domicil könne man sich zur Gänze auf die Musik und die durch sie erzeugte Energie konzentrieren. Klare vergleicht die Dorf-Situation mit der eines Raumschiffs, das alle Beteiligten jederzeit für eine gewisse Zeit verlassen können, bevor man sie wieder zurückholt. Und er attestiert dem Ensemble eine soziale Ausnahmesituation, die man im gesellschaftlichen Alltag unmöglich verwirklichen könne.

Seit 2006 ist die Gruppe unterwegs: 120 Konzerte in acht Jahren. “So viele hatte ich mit keiner anderen Band”, sagt Klare. Rund zwei Dutzend Musiker gehören zur Dorfgemeinschaft, ein Drittel davon ist seit Beginn dabei. Und auch wenn es nicht immer leicht ist, den Ruhrgebietsbewohner von seiner Scholle weg in die Nachbarstadt zu locken, haben Klare & Co sich dazu entschlossen, eine ständige Vertretung einzurichten. Dass die Wahl auf den Jazzclub Domicil in Dortmund fiel, hat weniger mit dem Namen zu tun: Es ist schlichtweg der einzige Ort im Revier, an dem regelmäßig Jazz auf dem Programm steht. Die nächsten Angebote gibt es in Bielefeld oder Köln, also locker eine Autostunde entfernt.

Dorf-Konzerte sind soziale Ereignisse, eine Art Happening – mittlerweile ist die Band auch außerhalb der Dorfgrenzen bekannt. Basis bleibt jedoch die Region zwischen Ruhr und Emscher: Zu den meist kostenlosen, monatlichen Sessions im Domicil finden sich in der Regel zwischen 60 und 80 Zuhörer ein. Der Rekord lag bei etwas über 200. Man sieht sich, grüßt einander und trinkt auch gerne mal ein Bier oder ein Glas Wein miteinander. Einige waren schon 20, 30 Mal da, aber es gibt auch immer wieder Gäste, die einfach so einmal reinschauen.

PS: Anlass des aufwändigen Gastspiels der Dorfbewohner ist das 10-Jahre-Jubiläum von freiStil, Magazin für Musik und Umgebung. Nicht weniger als 60 Ausgaben hat die seit zwei Jahren in Wien ansässige Redaktion bis dato gestemmt, ihnen allen eignet die Liebe und das Engagement für die besten Musiken der Welt. Ihr Schwerpunkt liegt auf den unzähligen Ausformungen der Improvisierten Musik, ihren Protagonistinnen und ihrer künstlerischen und gesellschaftlichen Umgebung. Der soziale Charakter des Magazins entspricht eins zu eins jenem von The Dorf – und beide schütten ordentlich Sound ins Getriebe. freiStil bedankt sich recht sakrisch für dieses Wunschkonzert beim Kaleidophon-Team!

Text: Holger Pauler & Andreas Fellinger, freiStil-Magazin

DVD: Jazzsoup - ein Film über The Dorf. Zu sehen auch beim Kaleidophon….


Konzertprogramm am

Gahl | Bertoncini&Lehn

So 3.5., 15.00 Uhr (ausgelagert,
Pfarrkirche Ulrichsbg):

 
GAHL | BERTONCINI&LEHN
 
Annelie Gahl, Violine
 
Tiziana Bertoncini, Violine
Thomas Lehn, Analogsynthesizer

Kompositionen von Pisendel, Kurtág und Harnik im ersten Teil des Konzertes, dann Improvisationen mit Elektronik und jedenfalls: Violinen!

Musik für Violine steht im Zentrum dieses Konzertes. Zuerst in einem Soloprogramm von Annelie Gahl mit folgenden Kompositionen:

György Kurtág (*1926):
“In memoriam Laszlo Mensaros“ (1993) und “Thomas Blum in memoriam” (1995)
Johann Georg Pisendel (1687–1755):
“Sonate für Violine allein ohne Bass in a-Moll”
György Kurtág:
“….für den, der heimlich lauschet….hommage a Ivan Nagel 70” (2001)
Elisabeth Harnik (*1970):
“circle of understanding” (2011)

Dann, nach einer kurzen Umbaupause, gibt es im zweiten Teil des Konzertes Improvisationen von Tiziana Bertoncini und Thomas Lehn.

Annelie Gahl lebt als freischaffende Geigerin in Wien. Sie war Mitglied der Camerata Salzburg und in Nikolaus Harnoncourts Concentus Musicus, leitete das Barockorchester “Capella Triumphans” und ist immer wieder auch Gast im Klangforum Wien. Mit besonderem Interesse widmet sie sich der Kammermusik, in den letzten Jahren schwerpunktmäßig im Bereich der “Neuen” und “Alten” Musik. Zuletzt veröffentlichte sie (gemeinsam mit dem Komponisten Klaus Lang) “Six melodies und Thirteen Harmonies” von John Cage (col legno, 2010).

Tiziana Bertoncini (geboren in Italien) und Thomas Lehn (geboren in Deutschland) leben dzt. in Wien und arbeiten seit 2002 an ihrer Version der Verschmelzung von klassischer Violine mit Live-Elektronik. Obwohl improvisiert, ist die Musik des Duos eher dem Klangbild der Neuen Musik angenähert - wie man auf der 2011 erschienen CD “Horsky Park” (anothertimbre) gut nachhören kann. Neben dieser Duo-Konstallation arbeiten die beiden auch in grösseren Formationen wie dem Hiatus-Ensemble zusammen - auch dies ein Ensemble das an der Schnittstelle Komposition/Improvisation angesiedelt ist.

Ein frisches, noch zu entdeckendes Trio: Klangsensibel, behutsam, feldmanesk…

Das Album “june 16th” (Schraum 2013) dokumentiert das akustische Zusammentreffen von Carl Ludwig Hübsch, Pierre-Yves Martel und Philip Zoubek an eben diesem Datum im Jahr 2012. Das Trio zeichnet sich vor allem durch eine höchst eigenständige Klangsprache aus.

In der Besetzung Viola da Gamba, Klavier und Tuba entsteht ein Klanggeflecht, das transparent und geheimnisvoll zugleich wirkt. Jeder Ton scheint genau auf den Punkt gesetzt und die einzelnen Stimmen sind eindrucksvoll miteinander verzahnt. Die avancierten Spieltechniken der drei Musiker erschaffen im Zusammenspiel eine derartige musikalische Vielfalt, dass trotz vieler leiser Stellen und Pausen “june 16th” weit davon entfernt ist, eine blutleere reduktionistische Übung darzustellen.

Carl-Ludwig Hübsch, geboren in Freiburg, lebt in Köln, Komponist, Tubaspieler, Perkussionist. Improvisierte Musik und Neue Musik stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Er leitet eigene Ensembles (Hübsch Acht, Primordial Soup, Drift,...), und ist gefragt als Mitspieler in unterschiedlichen Kollektiven und Projekten u.a. mit Gunda Gottschalk, Joëlle Léandre, Thomas Lehn, Franz Hautzinger, Isabelle Duthoit,… — Pierre-Ives Martel aus Montreal ist ein Klangkünstler und Instrumentalist zwischen Forschung und Experiment, der an der “Aktualisierung” der Viola da Gamba arbeitet, um diese gegenwartstauglich zu machen. Zusammenarbeit u.a. mit Martin Tetreault, Magda Mayas, Kim Myhr und Jim Denley. — Philip Zoubek, geboren in Niederösterreich, Jazz-Klavierstudium in Wien und Köln, lebt und arbeitet dzt. als Pianist und Komponist in Köln. Zusammenarbeit mit Frank Gratkowski, Wilbert deJoode, Thomas Lehn, Clayton Thomas, Paul Lytton, Paul Hubweber,…

CD: june16th, schraum 2013

Ein baskischer Barde und ein bretonischer Dudelsackspieler - auf der Suche nach neuen Formen des Blues…

Was haben ein baskischer Barde und ein bretonischer Dudelsackspieler einander wohl zu sagen? Wir geben Ihnen die Gelegenheit, es live zu erfahren! Im Dialog dieser beiden Musiker, gegründet auf vollkommenes, gegenseitiges Verständnis, erwächst aus den Wurzeln ihrer jeweiligen Regionalkultur etwas Universelles. In einem gemeinsamen Atem entfalten sie, zwischen Tradition und Avantgarde, die zeitlosen Melodien einer neuen, nie gehörten Form des Blues…

Erwan Keravec kommt aus Pont-Scorff in der Bretagne im Nordwesten Frankreichs - eine Region, deren Volksmusik wesentlich vom Dudelsack geprägt ist. Das kommt nicht von ungefähr: Die Bretonen haben historisch ihre Wurzeln im schottisch/irischen Raum. Keravec arbeitet unter Begriffen wie “Urban Pipes” oder “Nu Piping” seit Jahren an einer Transformation des vorwiegend traditionell geprägten Dudelsackes hinein in zeitgenössisch konnotierte Musikfelder. Er arbeitet in diesem Sinne als Solist, aber auch in Projekten im Bereich der Neuen Musik mit Komponisten wie Wolfgang Mitterer und Interpretinnen wie Donatienne Michel-Dansac sowie im Improvisationsbereich mit Musikern wie Mats Gustafsson. — Beñat Achiary, kommt aus dem französischsprachigen Teil des Baskenlandes im Südwesten Frankreichs nahe der spanischen Grenze. Neben seiner Beschäftigung mit baskischen Gesangstraditionen (als deren wichtigster Interpret er gilt), hat er immer wieder auch mit Improvisatoren wie Kent Carter, Michel Doneda oder Kazue Sawai zusammengearbeitet sowie auch mit dem Improv-Noise-Rock-Trio “Etage 34”. Seit 2009 arbeitet er unter dem Projekttitel “Ametsa” mit Erwan Keravec zusammen.

CD: Urban Pipes, Budamusique 2014

Feichtmair Gratkowski Herbert Lillinger

So 3.5., 21.00 Uhr:
 
FEICHTMAIR / GRATKOWSKI / HERBERT / LILLINGER
 
Tanja Feichtmair, Altosax
Frank Gratkowski, Altosax, cl
Peter Herbert, Bass
Christian Lillinger, Drums

“…von fragilen Liegeklängen bis hin zu kammermusikalischen West-Coast-Jazz-Andeutungen…” (Andreas Felber, Standard)

Zum Finale: Die “Berlin-Paris-Ulrichsberg Achse”, mit einem Quartett, das 2012 entstand, als den beiden SaxophonistInnen ein Konzertauftritt bei den Nickelsdorfer Konfrontationen angeboten wurde und man ihnen freie Wahl bei der Zusammenstellung der Band ließ. Feichtmair und Gratkowski wählten jeweils einen Wunschmusiker: Herbert und Lillinger. Mit diesen Musikern war nun ein zu jeder Möglichkeit hin offenes Ensemble entstanden, welches die Vertrautheit zu den unterschiedlichen Genres der Musik in ihre Improvisationen miteinbezieht, um so eine vielschichtige Einheit zu schaffen.

“…a quartet which boasted quite an energy, but never dissolved into directionless honking and hammering. The music threaded on punkjazz ground, but with a remarkable suppleness. In short: a dream start (because this begs for a sequel!) by a new band, and a concert with nuance, swing and power, full of bleating and stomping parts of cajoling and horny, thrashing saxes, forceful drumming and varied bass work. To top it off, this infectious concert, during which I saw one talent confirm and another one emerge, was ended with a fragile encore, enhancing our enjoyment of it even more. Great when all the pieces of the puzzle seem to fall in the right place.” (Enola-Blog, 2012)

Tanja Feichtmair, geb. in Linz, lebt in Ulrichsberg. Solotätigkeit sowie in kooperativen Projekten mit Fredi Pröll und Uli Winter, John Russell, Roger Turner, Damon Smith,… — Frank Gratkowski, lebt in Berlin. Interpret Neuer Musik und Improvisator in Gruppen mit Wolter Wierbos, Gerry Hemingway, Wilbert de Joode, Sebi Tramontana, Georg Gräwe,… — Peter Herbert, geb. in Vorarlberg, lebt in Wien und Paris. Solotätigkeit sowie Bassist in Gruppen von Art Blakey und Art Farmer bis zu Franz Koglmann und Tom Rainey. Nachzuhören auf über 100 CDs. — Christian Lillinger, lebt in Berlin. Leitet eigene Bands wie “Hyperactive Kid” und “Lillingers Grund”. Kooperationen mit Musikern wie Tobias Delius, Achim Kaufmann, Christopher Dell und C. L. Hübsch.

JAZZATELIER ULRICHSBERG
Badergasse 2, A-4161 Ulrichsberg. Tel: 0043 7288 6301 / eMail: afischer@jazzatelier.at / Web: www.jazzatelier.at