JazzatelierUlrichsberg

Ulrichsberger Kaleidophon 2014

Do 1. Mai bis Sa 3. Mai 2014 im Jazzatelier Ulrichsberg

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Plakat

Do 1. Mai ab 19.00 Uhr:
Colophony
Trio Now!
Léandre/Leimgruber/Stangl/Curran

Fr 2. Mai ab 18.00 Uhr:
Flunger & Scheib
Peter Ablinger: Black Series
Julie Mittens & Gareth Davis
Shuichi & Honsinger
 
Sa 3. Mai ab 17.00 Uhr:
Skogen
gartmayer/ernst/dieb13
Mark Dresser Solo
Ben Goldberg Trio
 
Gerhard Wöß, Ausstellung
Gabriele Berger, Installation

Pressespiegel
pdf 8,3 MB

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Elf Beispiele aktueller Musik aus den Bereichen Jazz, Neue Musik und Improvisation stehen auf dem Programm der 29. Ausgabe des Ulrichsberger Kaleidophones. Dreißig Musiker und Musikerinnen aus Australien, Holland, England, Luxemburg, Japan, Schweden, USA und Österreich werden die Jazzatelierbühne bespielen. Klassiker und genredefinierende Persönlichkeiten wie Joëlle Léandre, Alvin Curran oder Peter Ablinger sind ebenso dabei wie noch zu Entdeckendes von Musikern wie Elisabeth Flunger, Gareth Davis oder Magnus Granberg. Akustisches steht neben Elektronik, Geschriebenes neben Improvisiertem. Die bunte Mischung kreativer Ansätze ist es einmal mehr, die das Kaleidophonprogramm prägt.

Neben all dem Hörbaren gibt es aber auch Visuelles: Gabriele Berger zeigt mit "Jetzt" eine Steinskulptur im Freien und Gerhard Wöß präsentiert in den Galerieräumen Malerei, Zeichnungen und Lichtkästen unter dem Titel "Weltenbausteine".

Viel Vergnügen!

Anreise/Zimmer
EINTRITT: Für Jazzatelier-Nichtmitglieder: 3-Tages-Pass: € 73,00 (erm. 67); Tageskarten: DO € 27,00 (erm. 24); FR/SA € 30,00 (erm. 27); Für Jazzatelier-Mitglieder: 3-Tages-Pass: € 67,00 (erm. 59); Tageskarten: DO € 24,00 (erm. 20); FR/SA € 27,00 (erm. 23,00). Ermäßigungen für Menschen unter 25, Studenten, Arbeitssuchende, Behinderte und deren Begleitung sowie Raiffeisen-, Blas­musik­jugend-, 4You-Card- und Ö1-Clubmitglieder. Eintritt frei für Kulturpassinhaber.

Konzertprogramm am

"Skilled improvisers at work, which know how to listen to each other, and interact in a fine way with each other." (Frans de Ward, Vital Weekly)

Holz und Saiten vermischt mit Bits und Bytes bestimmen das Klangbild dieses Trios. Spätestens seit Luigi Nonos Kompositionen für Streicher und Elektronik wissen wir um den besonderen Reiz dieser Kombination. Im Unterschied dazu geht es hier aber nicht um Geschriebenes, sondern um gemeinsame Spontan­kreationen. Die allen drei Künstlern eigene Empfindsamkeit für Timbre und Form generiert eine Musik, die akribisch das mikroskopische Leben einer Textur erkundet und zugleich spontan zwischen feinen Klangnuancen und rauen Kollisionen hin- und her springen kann. Seit einem ersten Konzert im Jahr 2012 in Berlin arbeiten Rose, Kneer und Barrett am weiteren Ausbau dieser Elektronik/Streicher-Verflechtungen.

Jon Rose (*1951) kommt aus Australien, lebt aber seit 1986 immer wieder auch in Berlin. Unter dem Dachkonstrukt „The Relative Violin“ arbeitet er am Gesamtkunstwerk der „totalen Violine“, die bei ihm durchaus auch die Form einer Sitar oder eines klingenden Zaunes annehmen kann.

Der Engländer Richard Barrett (*1959) ist Komponist und Improvisator gleichermaßen. Neben Unterrichts­tätigkeit (dzt: Institute of Sonology in Den Haag) und Kompositionen für Ensembles und Orchester als Improvisator u.a. aktiv im Duo „Furt“ mit Paul Obermayer und in Evan Parkers „Electro-Acoustic Ensemble“.

Der deutsche Bassist Meinrad Kneer (*1970) war beim Kaleidophon 2013 mit Ab Baars und Bill Elgart zu hören. Weitere Gruppen im Jazz- und Improv-Kontext verbinden ihn mit MusikerInnen wie Jodi Gilbert, Han Bennink, Tobias Delius und Frank Gratkowski.

CD: Colophony, Creative Sources, 2013

"Jedenfalls wird hier kein stilles Wasser serviert, sondern äußerst spritziges!" (Newton Abbot)

„Now! = im Hier und Jetzt, Momentaufnahmen, Augenblicksfantasien, Spontanreaktionen, Stegreifexplorationen, Echtzeitdiskurse. In diesem Koordinatensystem beschreiten die vor Leidenschaft glühenden ImprovisatorInnen souverän ihre eigenlebigen Pfade. Wobei sie nicht mit den Einflüssen und Inspirationsquellen, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeiten für das Jazzatelier Ulrichsberg sammeln und aufarbeiten konnten, hinter dem Berg halten. Mit dieser Einspielung legen sie eine inhaltsschwere Bestandsaufnahme dessen auf den Tisch.

Das Trio reflektiert einerseits die Entwicklungen der freien Jazzspielhaltung amerikanischer Prägung mit seinen revolutionierenden Entgrenzungen, und andererseits die reduzierte, entschleunigte Klangfarbenästhetik der non-idiomatischen Improvisierten Musik europäischer Provenienz. Es wird beeindruckend bruchlos mit den Parametern gespielt.

Da wirbelt Pröll quirlig und schattierungsvariabel über das Schlagzeug und erfindet mit dem pointierten, eloquenten Cellospiel Winters ein perkussives Raumkonzept, das Feichtmair die uneingeschränkte Möglichkeit bietet, ihre geschärfte lyrische Spielweise mit dem krausen Melodieverständnis noch ungezwungener ausschwingen lassen zu können.

Dem genug nachgehört, vertiefen sich die IntuitivtonsetzerInnen in statisch beharrliche Klangflächen, aus denen sich die wohl liebenswürdigste Dekonstruktion von Harold Arlens Hit Over The Rainbow, mit Brüllgesang garniert, herausschält. Flüchtiges Glück – glückliche Flüchtigkeit, entsprungen aus spielwitziger Ernsthaftigkeit. The Magic Of Now Now.“

(Text: Hannes Schweiger, aus seiner CD-Besprechung im freiStil-Magazin.)

CD: Trio Now!, Leo-Records, 2013

Vier PionierInnen unterschiedlicher Generationen und Genres - erstmals in einem Ensemble vereint!

In der Improvisierten Musik gibt es ja mindestens zwei Kirchen: Da sind zunächst die Jünger des Derek-Bailey-Dogmas, demzufolge die einzig wahrhaftige Improvisation nur dort entstehen kann, wo Musiker aufeinander­treffen, die zuvor noch nie zusammen gespielt haben. Und dann gibt es Evan Parkers Lehre, die auf das langfristig-gemeinsame Destillieren und Kristallisieren setzt.

Léandres neues Quartett ist in diesem Sinne ein Hybrid: Mit Alvin Curran arbeitete sie immer wieder am kalifornischen Mills College, mit Urs Leimgruber spielt sie im „Quartet Noir“ (mit Marilyn Crispell und Fritz Hauser) und mit Burkhard Stangl kooperiert sie seit „Can you ear me“, einem Tentett-Projekt fürs Kaleidophon 2009. Als Quartett allerdings ist diese Konstellation neu. Im Optimalfall könnte hier also das Beste aus zwei Glaubens­richtungen zutage treten…

Alvin Curran (Rom) ist eine Persönlichkeit von musik­historischer Bedeutung: Gemeinsam mit Frederic Rzewski und Richard Teitelbaum gründete er 1966 mit der „Musica Elettronica Viva“ eine Gruppe, die schon sehr früh an der Verbindung von Komposition und Improvisation nebst Einbindung synthetischer Klänge (Moog-Synthesizer!) arbeitete. Auch Burkhard Stangl (Wien) gehört zu den Pionieren der „Komprovisation“: Ensembles wie Ton.Art, Maxixe oder Polwechsel seien hier genannt. Zuletzt veröffentlichte er mit „Unfinished. For William Turner“ eine international beachtete Solo-CD auf dem englischen Touch-Label. Urs Leimgruber ist neben Evan Parker und John Butcher einer der tonangebenden Saxophonspieler der Gegenwart - z.B. im Trio LDP mit Barre Phillips und Jacques Demierre oder im Sextett Six (mit Doro Schürch und Thomas Lehn). Joëlle Léandre (Paris): Die „Grande Dame“ der Improvisierten Musik!

Konzertprogramm am

"Drum and Bass" in der originellen Variante der Luxemburgerin Elisabeth Flunger im Verbund mit dem Saarbrückner Bassisten Stefan Scheib.

Elisabeth Flunger und Stefan Scheib spielen seit 2007 im Duo. Die Verschiedenheit ihrer persönlichen Stile und musikalischen Erfahrungen bringt es mit sich, dass ihre gemeinsame Sprache sich in einem breit gefächerten Ausdrucks­spektrum zwischen den Polen von Melodie und Geräusch, Klischee und Abstraktion, Vielfalt und Reduktion bewegt. Während Elisabeth Flungers Instrumentarium, eine unsystematische Ansammlung von losen Metall­gegenständen, schon von der Anlage her kaum Rückgriffe auf konventionelle Techniken und Vorgehens­weisen zulässt, klingt in Stefan Scheibs Kontrabassspiel immer wieder die Tradition des Instruments durch. Die Arbeit im Duo ist die Suche nach dem Ort, in dem Gegensätzliches sich verbindet und etwas Neues hervorbringt. Dazu erforschen Flunger und Scheib die Strategien und Möglichkeiten der musikalischen Kommunikation in der Improvisation, sie erfinden während des Spiels Spielregeln, um sie zu überwinden, und sie greifen Altbekanntes auf, um es in einem neuen Kontext zu beleuchten und zu verarbeiten. Im April erscheint ihre gemeinsame CD "Passage" beim Grazer Label chmafu nocords.

Elisabeth Flunger ist Schlagzeugerin, Komponistin und Performerin, stammt aus Südtirol und lebt zur Zeit in Luxemburg. Sie beschäftigt sich mit improvisierter und komponierter zeit­genössischer Musik, arbeitet in Theater- und Tanz­produktionen und hält Improvisations- und Kompositions­workshops für Kinder und Erwachsene. Ihr Lieblings­instrument ist eine Ansammlung von Metallobjekten, die sie in Konzerten, Raum­installationen und Performances verwendet. Für dieses Instrumentarium hat sie spezielle Spieltechniken entwickelt und eine Reihe von Solostücken komponiert.

Stefan Scheib ist als Kontrabassist und E-Bassist mit klassischer, zeit­genössischer und improvisierter Musik und als Komponist und im Bereich Hörspiel, Installation und Theater tätig. Er unterrichtet Jazz-Kontrabass und E-Bass an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. Gemeinsam mit Katharina Bihler gründete er das Liquid Penguin Ensemble, das Hörstücke, Musiktheater, Installationen und multimediale Performances produziert und für seine Hörspiele zahlreiche Preise erhalten hat.

Black Series

Fr 2.5., 20.00 Uhr:
 
PETER ABLINGER: BLACK SERIES
Gareth Davis & Julie Mittens
Gareth Davis, Bass­klari­nette; Martin Luiten, E-Gitarre; Michel van Dam, E-Bass; Leo Fabriek, Drums

Peter Ablingers Kompositionen für Bassklarinette und Rockband.

Der britische Klarinettist Gareth Davis und das holländische Rock-Trio „The Julie Mittens“ bündeln ihre Kräfte für ein zweiteiliges Konzert: Im ersten Teil geht es um die Aufführung von Peter Ablingers „Black Series“. Nach einer kurzen Pause werden Gareth Davis und The Julie Mittens einen zweiten Teil mit freien Improvisationen bestreiten.

Peter Ablingers „Black Series“ - geschrieben für Gareth Davis und The Julie Mittens - geht zurück auf eine Skizze von 2010, die als „Suprematismus für Rock Band“ beschriftet war. („Suprematismus“ ist der Begriff, den Kasimir Malewitsch seiner abstrakten Formensprache gab.) In diesem Notizbucheintrag schreibt Ablinger: „ein Gitarrenton + Feedback. Drums plus E-Bass-Tremolo. Lautsprecher-Knack. Gitarrenakkord verzerrt mit Schlagzeug. Brummton. - alles höllisch laut. dazwischen „Stille“ oder „Alltag“. oder „Konzert-atmo.“

Die insgesamt 10 kurzen Stücke der „Black Series“ mit einer Länge von jeweils 1 bis 4 Minuten sind benannt nach wichtigen Vertretern der abstrakten Malerei des 20. Jahrhunderts: Malewitsch, Mondrian, Albers und Ad Reinhardt. Ablinger: „Die Partitur ist sowohl Grafik - als auch Audio-Partitur. Letztere ist aus Sound-Samples der Julie Mittens Band gebaut, während die Grafiken Screenshots der Multitrack-Ansicht der jeweiligen Montage darstellen. Auf diese Weise hoffte ich, meine Vorstellungen den nicht-Partitur-lesenden Rock-Musikern mitzuteilen.“

Peter Ablinger, geboren 1959 in Schwanenstadt/OÖ. Grafikstudium in Linz, Jazzklavier in Graz, Studium der Komposition in Graz und Wien bei Gösta Neuwirth und Roman Haubenstock-Ramati. Lebt seit 1982 in Berlin. 2009 realisierte er in Ulrichsberg die „Landschaftsoper“, ein siebenteiliges Werk, das den Ort Ulrichsberg und die ihn umgebende Landschaft selbst zum Thema macht. Die Akte 1 (Baumpflanzung „Arboretum“ in Seitelschlag) und 3 (Klangarchiv im Internet) dieser Oper dauern bis heute an.

CD: Peter Ablinger: „Black Series“, God Records 2014

Davis & Julie Mittens

Fr 2.5., 21.00 Uhr:
 
GARETH DAVIS & THE JULIE MITTENS
 
Gareth Davis, Bassklarinette
Martin Luiten, E-Gitarre
Michel van Dam, E-Bass
Leo Fabriek, Drums

Das holländische Rock-Trio "The Julie Mittens" in gemeinsamen Improvisationen mit Gareth Davis als Gast.

Nach Peter Ablingers "Black Series" (und nach einer kurzen Pause) werden Gareth Davis und The Julie Mittens einen zweiten Set mit freien Improvisationen bestreiten.

Gareth Davis, geboren in England, lebt in Amsterdam. Er arbeitet als Interpret Neuer Musik u.a. mit Komponisten wie Salvatore Sciarrino, Jonathan Harvey, Helmut Lachenmann oder Bernhard Lang und als Improvisator in Projekten mit Musikern wie Rutger Zuyderfelt aka Machinefabriek, Robin Rimbaud aka Scanner, Christian Fennesz und Mika Vainio.

The Julie Mittens sind ein holländisches Free-Rock-Trio - bekannt für ausgedehnte Improvisationen im oberen Lautstärkenbereich. „Intense and just brilliant. One of the greatest contemporary European guitar psych groups.“ (David Keenan, The Wire)

CD: The Julie Mittens, "S/T" (JMR, 2011), "Albany" (Cut Hands Recs, 2009)

"Interactivity at its best: hyper, layered, chaotic, respectful, goading, loose, but, most of all: playful and beautiful." (Andrew Choate)

„The duet between Tristan Honsinger and Chino Shuichi was a master-class in free improvising nimble-footedness. Honsinger used his voice almost as much as the cello, speaking in partial and non-sensical Italian, French, German and English, and occasionally singing an obliquely relevant snippet like “we were very popular in those days,” repeating and refracting the phrase until it too became a melody amidst the mayhem. It seemed like he was using his voice to prod Shuichi, to catch him off-guard, but it seemed like just as often he surprised himself. And Shuichi was more than ready at each moment, dancing with him every step of the way. At one point, Shuichi threw his hat down during an exchange and it hit the stage with a dull thud. “Flutter away I dare say,” quipped Honsinger before he bebopped the bow across the cello, instigating a strong attack of the strings inside the piano from Shuichi, every interaction charged with the possibility of perfect solace, and menace.

Shuichi’s body at the piano keys was all potential; at one moment he placed his hands on them and throbbed toward them with his back, his arms, everything—but playing nothing for three throbs—just letting his body absorb a rhythmic bounce. This physical presence was matched by his musical alacrity, and the two cannot be separated in his playing: at another moment he swung his body toward the piano and then, listening to Honsinger’s shenanigans, flung his arms backward, away from the keys, but heard something he needed to play with, caught his arms mid-flail, and lunged back toward the keys—the expectation of his own body movements trumped by the music’s demands. A rabbit unfurled in the sweat clinging to the back of his shirt. This set was interactivity at its best: hyper, layered, chaotic, respectful, goading, loose, but, most of all: playful and beautiful.“

Andrew Choate in seiner Nickelsdorf-2013-Besprechung. Erschienen auf der Blogseite Escargobuffet.com.

Konzertprogramm am

Skogen

Sa 3.5., 17.00 Uhr:
SKOGEN
Magnus Gran­berg, Klavier, Kla­ri­nette, Kom­po­si­ti­on; Anna Lindal, Violine; Petter Wäst­berg, Kon­takt­mikros, Ob­jekte, Misch­pult; Leo San­der, Cello; Erik Carls­son, Per­kus­sion; Henrik Ols­son, Per­kus­sion, Elek­tro­nik.

Ein bedächtig agierendes, hoch klangsensibles Ensemble mit einer Vorliebe für Expeditionen und Aufenthalte im Grenzgebiet Improvisation:Komposition.

Falls Ihr schwedisch auch nicht so toll ist: „Skogen“ bedeutet „Wald“ und Magnus Granberg meint dazu: „...the music should be like an environment, perhaps a forest in which inhabitants with different characteristics could move freely in accordance with the environment and their own and each other‘s properties and abilities; the piece, the time and the space could be the forest and the musicians its inhabitants.“

Die Kernbesetzung der „Waldbewohner“ wohnt in Stockholm. Gelegentlich stoßen Gäste wie Angharad Davis oder Toshi Nakamura dazu, sodass - bei entsprechender finanzieller Liquidität des Veranstalters - Skogen durchaus in Formationen bis zu Nonettstärke in Erscheinung tritt.

Eine aktuelle CD des Ensembles trägt den schönen Titel „Ist gefallen in den Schnee“ (Another Timbre, 2012) - nach einer Textstelle in einem Lied aus Schuberts Winterreise. Es geht dabei nicht um heftige Winterstürme, sondern eher um den Tanz der Schneeflocken. Neben Schubert gibt es andere Referenzfelder wie Jazz oder auch die Komponisten der New York School wie Christian Wolff und Morton Feldman. In gemächlichen Variationen sich verändernde Muster sind prägender als abrupte Wechsel. In anderen Projekten arbeitet Skogen direkt mit Komponisten zusammen. Mit Anders Dahl entstand z.B. „Rows“, eine Schönberg-Webern-, seriell-inspirierte Musik.

Komposition spielt eine wichtige Rolle. Granbergs Vorgaben sind aber lediglich Vorschläge, Annäherungen und Möglichkeitsfelder. Letztgültige Entscheidungen und Gestaltungen obliegen den ausführenden MusikerInnen. Ein Prinzip „which makes the music come alive in ways I wouldn‘t have been able to come up with myself“.

Der Wiener Turntablist dieb13 mit seiner Kaleidophon-Wunschkonstellation.

Eine improvisatorische Begegnung, bei der ästhetisch unterschiedliche Zugänge, rhythmisch komplexe Strukturen und chaotische Klangwelten aufeinandertreffen.

Dieb13 setzt sich seit den späten achtziger Jahren mit der Verwendung von Plattenspielern und Computern als Instrumente auseinander. Der Wiener Turntablist, der regelmäßig mit KünstlerInnen wie Billy Roisz, Mats Gustafsson, Martin Siewert, eRikm und Phil Minton auftritt, hat für das Ulrichsberger Kaleidophon zwei Musikerinnen eingeladen, die sich besonders durch ihre stilistische Wechselhaftigkeit auszeichnen.

Susanna Gartmayer beschäftigt sich mit den Klangmöglichkeiten der tiefen Klarinetten und setzt diese bei der Erfindung fragiler Soundgebilde ebenso ein wie in experimentellem Rock. Man kennt sie u.a. von broken.heart.collector, möström und The Vegetable Orchestra.

Von Katharina Ernst am Schlagzeug ist von rotzig-lautem Getrommel bis polyrhythmisch ausgetüftelten Grooves alles zu erwarten. Auftritte mit u.a. Kazuhisa Uchihashi, eRikm und Burkhard Stangl werden durch ihre Projekte im Bereich der Bildenden Kunst und der zeitgenössischen Choreographie ergänzt.

Für verschiedene Aufnahmen aller drei Beteiligten verweisen wir hier auf die geradezu vorbildliche, von dieb13 betriebene Internetplattform "klingt.org".

Mark Dresser

Sa 3.5., 21.00 Uhr:
 
MARK DRESSER SOLO
 
Mark Dresser, Kontrabass

Mark Dresser präsentiert seine neuen Kontra­bass­forschungen.

Mark Dresser (*1952) stammt aus Los Angeles, lebte aber bis 2004 in New York. Seit 2004 ist er zurück in Kalifornien um an der Universität San Diego die Stelle seines ehemaligen Kontrabasslehrers Bertram Turetzky nach dessen Pensionierung zu übernehmen.

Frühe Stationen seiner Karriere waren Engagements in Bands von Bobby Bradford und Stanley Crouch, später (1985-94) die Mitarbeit in Anthony Braxtons Quartett, wo er lernte: „Make your mistakes work and be able to land on your feet!“. Leiter und Co-Leiter von Ensembles wie „Arcado String Trio“ und „Tambastics“, Dutzende kollektiv geleitete Ensembles mit Musikern wie Anthony Davis, Ray Anderson und Tim Berne - dokumentiert auf mehr als 130 CDs.

Als erste, prägende musikalische Einflüsse nennt er Jimi Hendrix und Charles Mingus. Was er da an Expressivität und „Sound inklusive Feedback“ hörte, machte ihn zum Kontrabass-Nerd: „Its all about finding your own sound, finding your own music.“

Komposition ist für ihn eher eine Folge der Improvisation: Dinge, die in Improvisationen passieren, mittels der Aufnahme analysieren und fixieren um dann auf bestimmte Details daraus zurückgreifen zu können; Dinge, die passieren, benennen, damit sie wiederholbar werden.

Viel Genauigkeit und Detailversessenheit ist da im Spiel. Und ein Anerkennen der Grenzen der Notation - weshalb er im Zweifelsfall die Aufnahme bevorzugt: „You cannot underestimate the power of the recorded medium“.

Er verwendet ein ausgeklügeltes elektroakustisches Setup aus Tonabnehmern und Pre-Amps, sein „akustisches Mikroskop“: Klänge, die ansonsten nur dem Spieler aus geringstem Abstand zum Instrument zugänglich wären, werden damit für das Publikum hörbar.

Mit diesen Mitteln und Methoden hat er dem Bass völlig neue Möglichkeiten erschlossen - ähnlich wie es einige seiner Langzeitspielpartner wie Denman Maroney oder Gerry Hemingway für ihre Instrumente Klavier und Schlagzeug taten.

CD/DVD: "Guts", Kadima Records

Ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Verschmelzung von Improvisation und Komposition.

Ben Goldberg (*1959) lebt in Kalifornien. Er lernte zunächst Altosax und damit die Jazzliteratur. Monk, Coltrane und Rollins waren prägend. Zugleich lernte er Klarinette - hier vor allem die klassische Literatur. Später Konzentration auf die Klarinettenfamilie und Studium bei Steve Lacy und Joe Lovano. Zugleich erwachte sein Interesse an den eigenen jüdischen Wurzeln und der Klezmermusik.

Im Lauf der Jahre ist er als Leiter und Mitglied zahlreicher Ensembles aufgetreten: Mit Pianistinnen wie Myra Melford und Kris Davis, in Trios und Quartetten wie „Tin Hat“ und „Junk Genius“ bis zu Großgruppen wie „Orphic Machine“ (mit Carla Kihlstedt und Ches Smith).

Letztlich ist es aber immer wieder das Trio (hervorgegangen Ende der 80er Jahre aus dem „New Klezmer Trio“), mit dem Goldberg seine Musik mit Anteilen aus Jazz, Improvisation, Komposition und Klezmer weiterentwickelt.

Die beiden Mitstreiter in der aktuellen Version des Trios kommen ebenfalls aus Kalifornien: Kenny Wollesen ist u.a. in der Gruppe „Sex Mob“ tätig sowie in Bands mit Bill Frisell, John Zorn und Tom Waits. Bassist Greg Cohen spielt dzt. im Quartett von Ornette Coleman! und hat im Lauf der Jahre mit Musikern wie Lou Reed, Laurie Anderson und Bob Dylan zusammengearbeitet. Auch ist er Mitglied in Woody Allens „New Orleans Jazz Band“.

CD: "Speech Communication", Tzadik Records

Weitere Details zum Programm und den jeweils letzten Stand der Dinge, erfahren Sie zu gegebener Zeit und laufend auf dieser Seite!

Vorbehaltlich Programmänderungen!
JAZZATELIER ULRICHSBERG
Badergasse 2, A-4161 Ulrichsberg. Tel: 0043 7288 6301 / eMail: afischer@jazzatelier.at / Web: www.jazzatelier.at