JazzatelierUlrichsberg

Der Rest is mir Wurst | Jazzsoup

Samstag, 2. Mai 2015, 14.00 Uhr im Ulrichsbergerhof

  •  
Johann Balda - Jazzati-Postproduktion-Blogbild

Johann Balda: "Der Rest ist mir Wurst"
Jorgos Katsimitsoulias: "Jazzsoup"
2 Filme im Rahmen des Festivals
"Ulrichsberger Kaleidophon 2015".

Aktuelle Ereignisse zwingen uns geradezu das Kaleidophonprogramm in diesem Jahr um zwei Filme zu erweitern: Zum einen ist da Johann Baldas Dokumentation über das Jazzatelier bzw. über das "Trio Now!". Der Film wird in diesen Tagen fertig und feiert beim Kaleidophon seine - Obacht! - Welturaufführung. Und dann ist da Jorgos Katsimitsoulias' "Jazzsoup". Ein Film über "The Dorf" - ein 30-Mann/Frau-Soundkollektiv, das nicht einfach "noch eine BigBand" ist, sondern eine "soziale Skulptur". Was das bedeutet, das erklärt dieser Film. Und - attention again! - zumindest eine österreichische Erstaufführung auch dies!

Der Rest is mir Wurst

Ein Film von Johann Balda, Deutschland 2015, 30 Minuten.

Film
anschauen

Johann Balda: "Der Film erzählt in Episoden die Geschichte des Jazzatelier Ulrichsberg sowie des TrioNow!, das aus Musikern besteht, die seit ihrer Jugend mit dem Jazzatelier verwurzelt sind. Wir begleiten die Musiker während sie sich auf einen Auftritt am Kaleidophon vorbereiten. Ein Festival, das seit 1986 jährlich durch das Jazzatelier veranstaltet wird und Menschen aus der ganzen Welt anzieht, die sowohl großartige Musik als auch eine ganz besondere Atmosphäre erleben."

Der Regisseur: Johann Balda entdeckte seine Leidenschaft für Film während des Studiums der Multimedia & Kommunikation an der Hochschule Ansbach. In den Hauptfächern Film / TV-Journalismus konzentrierte er sich auf die kreative Seite des Produktionsprozesses in Theorie und Praxis. Nachdem er sich in der Branche etabliert hatte, gründete Johann Balda ein Unternehmen, das ihm erlauben sollte, Filme nach seinen Vorstellungen zu produzieren. Er kreiert in diesem Rahmen audiovisuelle Unternehmenskommunikation, sowie zahlreiche freie Projekte in denen er sein Handwerk weiterentwickelt.

Jazzsoup

Ein Film von Jorgos Katsimitsoulias (Regie), Alexander Kersting (Künstlerische Leitung) und Ilias Ntais (Produktion); Deutschland 2014; 80 Minuten.

"Rund 300 Mal ist er bereits mit The Dorf aufgetreten. "Öfter als mit jeder anderen Band", erzählt Jan Klare in diesem vortrefflichen, in grobem Schwarzweiß gehaltenen Dokumentarfilm. Ein Interview, Konzert- und Probenmitschnitte sowie kleine Alltagsszenen und Bilder vom Unterwegssein genügen dem Filmteam, um in keiner der rund 80 Minuten so etwas wie Langeweile aufkommen zu lassen.

Einmal monatlich erklimmen 25 bis 30 Mitglieder von The Dorf die Bühne im Dortmunder Domicil, um an diesem Ort Musik zu generieren, die viel zu groß ist, um in einer handelsüblichen Schublade Platz zu finden. Einflüsse aus Jazz, Noise, Krautrock, Punk und Minimal Music vermengt das Großensemble zu einer hinreißenden Melange. Das Prozesshafte, erklärt Klare im Gespräch, verfüge im regelmäßigen Heimspiel über die größte Entwicklungsmöglichkeit. Andernorts kämen immer Faktoren von außen ins Spiel, hier im Domicil könne man sich zur Gänze auf die Musik und die durch sie erzeugte Energie konzentrieren. Klare vergleicht die Dorf-Situation mit der eines Raumschiffs, das alle Beteiligten jederzeit für eine gewisse Zeit verlassen können, bevor man sie wieder zurückholt. Und er attestiert dem Ensemble eine soziale Ausnahmesituation, die man im gesellschaftlichen Alltag unmöglich verwirklichen könne. Dass Virtuosität für The Dorf kein Thema ist und an ihre Stelle der eigentliche Witz an der Sache tritt, schlägt sich in Jazzsoup auch sprachlich nieder. Etwa wenn Klare befragt wird, wie er seinen Dirigierstil bezeichnen würde. "Ich kann det nich", bekennt er, "Dirigieren ist bei mir so eine Mischung aus Fluglotsen-Symbolik und einer Übung in Bodenturnen."

Das Ende dieses aufschlussreichen Filmporträts dokumentiert ein langes Stück, das The Dorf beim Festival in Moers in Szene setzt, wo man über Jahre quasi als Hausband fungiert hatte. Allein dieses Schlussstück veranschaulicht den hohen Grad an Energie, den Klares Orchesterteam zu erreichen vermag. Diese kollektive Engerie sei auch das Hauptmotiv für Jan Klare, dass trotz der eklatanten Unwirtschaftlichkeit des Unternehmens The Dorf ein Ende noch lange nicht absehbar sei.

Bleibt noch der Hintergrund des Filmtitels zu erklären. Jazzsoup hat nämlich auch damit zu tun, dass der kollektive Verzehr einer Suppe, zumeist zubereitet von Frau Klare und von Münster nach Dortmund transportiert, für den Orchesterleiter ein wichtiges Ritual darstellt. Musik machen, Geschichten erzählen, gemeinsam Suppe essen, das gehört für Jan Klare zu den unabdingbaren, weil schönsten Beschäftigungen einer Gesellschaft, die im kleinen der großen da draußen eine bessere Alternative permanent vorlebt."   (Andreas Fellinger / freiStil-Magazin)

Links:
J.Balda | Wurst/Film | Jazzsoup | Jazzsoup/Packaging | Ulrichsbergerhof

JAZZATELIER ULRICHSBERG
Badergasse 2, A-4161 Ulrichsberg. Tel: 0043 7288 6301 / eMail: afischer@jazzatelier.at / Web: www.jazzatelier.at