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Oliver Lake, Alto-Sax
Christian Weber, Bass
Dieter Ulrich, Drums


"Reiner Jazz ist ein Widerspruch in sich." (Oliver Lake)

1979 spielte der US Saxofonist Oliver Lake am Jazzfestival Willisau. Im Publikum sass - elektrisiert und begeistert - der damals 21jährige Züricher Musiker Dieter Ulrich. Bis zu einem ersten gemeinsamen Konzert sollte es dennoch beinhahe 30 Jahre dauern: 2007 war Oliver Lake erneut in der Schweiz und spielte erstmals mit Dieter Ulrich und dem hochbegabten jungen Züricher Kontrabassisten Christian Weber. Das Konzert wurde zu einer Sternstunde. Die beiden Schweizer beschränkten sich nicht etwa darauf, den legendären Vertreter der "Black Artists Group" zu "begleiten". Vielmehr suchten sie den lebendigen, offenen, bisweilen sogar frechen Dialog mit ihm, lockten ihn aus der Reserve und trieben ihn - ebenso wie sich selbst - zu Meisterleistungen an.

2009 erfolgte die Einspielung der ersten CD des Trios, die jetzt unter dem Titel "For a little Dancin'" bei Intakt Records erschienen ist. Die Aufnahmen überzeugen in mehrerlei Hinsicht. Sie zeigen die drei Musiker in einem intensiven Austausch, der die Generationen und Kontinente überspringt. Lake, der 1942 in Arkansas geboren wurde, ist 30 Jahre älter als Weber, während Ulrich mit Jahrgang 1958 ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden liegt. Doch sie bewegen sich auf Augenhöhe und sprechen die gleiche musikalische Sprache. Allen drei steht ein Idiom zu Gebote, das die Tradition von Blues, Soul und R&B, BeBop, Modern und Free Jazz sowie Rock in sich aufgesogen hat und stetig weiterentwickelt.

Weber, der in Graz, Linz und Wien studierte, erweist sich als versierter Techniker und neugieriger Geist. Ähnliches gilt für Dieter Ulrich, in dessen Spiel sich Intellekt mit genuiner Spielfreude und Perfektionisums mit Termperament verbindet. Die Statements des Trios sind ungemein abwechslungsreich und offen. Knappe Riffs und packende Ostinato-Figuren wechseln ab mit mäandernden Klangbändern. Bald gehen die musikalischen Entdeckungsreisen von kurzen, trockenen Formeln aus, dann wieder steht ein überraschend sing- und tanzbares Thema im Zentrum. Die Musik ist dicht, dringlich, wach. Sie ist, um es mit einem Paradox zu sagen, zugleich ekstatisch und klar, entrückt und nah. Sie ist intelligent, aber ganz unakademisch und ungemein farbig. (Text nach den CD-LinerNotes von Manfred Pabst.)